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Gewaltprävention

Anfang Februar besuchte der aus Friedeburg stammende Christoph Rickels die IGS Moormerland im Rahmen der Projekttage als Botschafter für ein gewaltfreies Miteinander unter Jugendlichen. Rickels, der im Jahr 2007 durch einen Sturz in Folge eines Faustschlages in einer Auricher Diskothek schwer verletzt wurde und seither zu 80 Prozent schwerbehindert und halbseitig spastisch gelähmt ist, referierte vor den Schülerinnen und Schülern des achten Jahrgangs über die Folgen von Gewalt und erläuterte Möglichkeiten, die Gewaltbereitschaft unter den Jugendlichen zu verhindern.

 

GewaltpräventionZu Beginn seines Vortrags stellte der 30-Jährige klar, dass Gewalt ein Gesellschaftsproblem sei. Auf Anhieb gelingt es Rickels, die Schülerinnen und Schüler mitzunehmen, weil er sich ihnen gegenüber authentisch verhält. Die Schülerinnen und Schüler hören nicht nur, mit welchen drastischen Folgen die Opfer von Gewalttaten zu kämpfen haben, sie spüren es auch. „Dieser eine Moment hat bei mir alles kaputt gemacht“, betont Rickels, der sich in das Leben zurückgekämpft hat. Etwa zwei Jahre brauchte es, um das Essen und Trinken, das Sprechen und auch das Laufen wieder zu erlernen. Man merkt ihm die Schwierigkeiten heute noch an, das Sprechen fällt ihm schwer. Doch Rickels lacht auch viel. Er lacht, weil es ihm nur noch über das Lachen möglich ist, die unterschiedlichen Emotionen zu zeigen – ob Trauer, Wut, Furcht oder Freude. Die Schülerinnen und Schüler kaufen ihm seine Geschichte ab, weil er auch einer von ihnen war. In seiner Jugend war Rickels ein „cooler Macker“, der leidenschaftlicher Sportler und Musiker war, er hat selbst gerappt, sich mit Mädchen beschäftigt und viel gefeiert. Er hat das Leben genossen und freute sich auf das zukünftige Leben, bis er in einer Auricher Diskothek vor mehr als zehn Jahren aus der Bahn gerissen wurde. Seither setzt sich Rickels für die Gewaltprävention an Schulen und in Jugendstrafanstalten ein und betont allerorts, dass doch die Gewalttätigen unserer Gesellschaft die uncoolen Typen seien, die sich auf Kosten der Schwächeren profilieren. Rickels‘ Ziel ist es, „das Leben lebenswerter zu machen, damit wir ein neues Cool in der Gesellschaft etablieren“. Jeder könne hieran mitwirken, auch die Schülerinnen und Schüler. Sie fordert der Friedeburger direkt auf, ihn zu unterstützen: „Wir können nur etwas verändern, wenn wir miteinander gut sind und nicht alleine besser!“ Rickels steht für einen respektvollen und gewaltfreien Umgang untereinander ein. Dies lohne sich immer, denn „man erntet, was man sät“. Die Menschlichkeit, die man gibt, kommt irgendwann zurück, so der 30-Jährige, „vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, vielleicht nicht nächste Woche oder nächstes Jahr, aber irgendwann garantiert.“ Rickels weiß, wovon er spricht. Seit Beginn des Jahres 2015 erhalte er die Anerkennung für sein Engagement in Form überregionaler Wahrnehmung durch die Berichterstattungen oder sogar in Form verschiedener Auszeichnungen: „Mein Leben geht nun so richtig ab“, zeigt sich Rickels trotz aller Hindernisse stolz und lebensfroh zugleich. Die Schülerinnen und Schüler der IGS Moormerland zeigten sich im Anschluss an den Besuch äußerst beeindruckt, aber auch nachdenklich hinsichtlich der Feststellung, welche drastischen Folgen eine unbedachte Handlung eines Einzelnen für das Opfer haben können. Viele Schülerinnen und Schüler bemühten sich auch im Anschluss an den Vortrag, persönlich mit Rickels ins Gespräch zu kommen, einige von ihnen nahmen außerhalb der Schule sogar noch persönlich Kontakt zum Friedeburger auf, wie Rickels wenige Tage später berichtete. „Das ist zweifelsfrei der Beleg dafür, dass Christoph mit seiner Geschichte unsere Schülerinnen und Schüler in der Thematik der Gewaltprävention wesentlich besser erreichen kann, als es uns Pädagogen gelingt“, resümierte der Jahrgangsleiter Wilko Modder stellvertretend für die Tutoren des achten Jahrgangs.

 

 

Bericht: Wilko Modder